Geisa
Bereits in der Jungsteinzeit vor etwa 5500
Jahren lebten Ackerbauern und Viehzüch-
ter im Geisaer Land. Später wurde das Land
von Kelten besiedelt. Davon zeugen die Res-
te ringförmiger Wallanlagen, beispielsweise
auf den Kuppen von Arzberg und Schleids-
berg. Das Jahr 817 gilt als sicheres Jahr der
Ersterwähnung des Ortes. Damals war die
„villa geisaha“ im Besitz der Abtei Fulda
und wurde bald darauf Zentrum eines Zent-
gerichtsbezirkes. Die Reste der mittelalterli-
chen Gerichtsstätte findet man am Gangolfi-
berg,der mit 322 m ü NN höchsten Erhebung
des Städtchens.
Um 1265 wurde die Stadt mit einer ca. 1.000
m langen Mauer umgeben, die auch Türme
und jeweils ein Ober- und Untertor enthielt.
Die Stadtmauer ist in großen Teilen erhalten
geblieben, auch zwei Türme, der sogenannte
Diebsturm und der Pulverturm, stehen noch.
Wann Geisa Stadtrecht erhielt, lässt sich
nicht genau ermitteln. Der erste sichere Be-
leg darüber stammt aus dem Jahr 1302. Im
Mittelalter erlebte Geisa eine Blütezeit. In
diese Zeit fiel der Bau der Stadtpfarrkirche
„St. Philippus und Jakobus“ (1489 - 1504).
Sie ist die einzige erhaltene Kirche gotischen
Stils im Geisaer Land.
Der 30jährige Krieg brachte große Not über
die Stadt.Auch die folgenden Jahre meinten
es nicht immer gut mit Geisa. Perioden rela-
tiven Aufschwungs wechselten sich mit Ka-
tastrophen ab, wie beispielsweise die beiden
großen Stadtbrände (1858 und 1883). Die-
se zerstörten weite Teile der Innenstadt und
veränderten damit das Stadtbild gravierend.
Im Ergebnis des Wiener Kongresses 1815
kam das Geisaer Amt als Enklave zum Her-
zogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Mit dem
Zusammenschluss der thüringischen Klein-
staaten im Jahr 1921 wurde der Amtsge-
richtsbezirk Geisa, trotz Protesten der Ein-
wohner, dem Land Thüringen zugeordnet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Geisa
von amerikanischen Truppen besetzt. Durch
die Vereinbarungen von Teheran und Jalta
kam das Gebiet jedoch unter sowjetische
Besatzung. Geisa wurde auf Grund seiner
Lage unmittelbar an der Zonengrenze zur
westlichst gelegenen Stadt des Warschauer
Paktes. Die Stadt lag im 5-km-Sperrgebiet
der DDR. Das hatte viele negative Folgen für
die Einwohner. In zwei großen Deportations-
wellen unter den Decknamen „Ungeziefer“
(1952) und „Kornblume“ (1961) wurden
zahlreiche Bewohner wegen ihrer kritischen
Haltung zur SED-Diktatur zwangsweise aus-
gesiedelt. Außerdem wurden in dieser Zeit
auf Anweisung des SED-Regimes mehrere
Höfe im Bereich der Sperrzone dem Erdbo-
den gleich gemacht (geschleift). Ausführli-
che Informationen erhalten Besucher in der
authentischen Gedenkstätte Point Alpha.
Seit Februar 2008 trägt Geisa den Zusatz
Point-Alpha-Stadt.
Die Zeit der DDR hatte die Stadt Geisa mit
einem Schlag ins Abseits gedrängt und ließ
sie 40 Jahre lang relativen Stillstand erfah-
ren. Seit dem Mauerfall 1989 entwickelten
sich Wirtschaft und Kultur stetig weiter.
Zur Stadt Geisa gehören heute die Ortstei-
le Geisa, Geismar, Borsch, Bremen, Otzbach,
Geblar,Wiesenfeld, Spahl, Reinhards, Ketten,
Walkes und Apfelbach.
Quelle: Geisa 1175 Jahre
Luftaufnahme aus östlicher Richtung
Quelle: Bildarchiv Manuel Knauf
Sicht auf Geisa vom Rasdorfer Berg, im Vordergrund Grenzanlagen
Foto: Hugo Scholz, 1975 | Quelle: Sammlung Mathilde Hahn




