Previous Page  Geisrain / 43 Next Page
Information
Show Menu
Previous Page Geisrain / 43 Next Page
Page Background

Geisrain

Über viele Raine kann die Altstadt von Gei-

sa erreicht werden, wie beispielsweise dem

Kleinen und Großer Geisrain. Der Name lei-

tet sich wahrscheinlich vom Flüsschen Geisa

ab, welches hier durch die Stadt Geisa fließt.

Die zahlreichen Raine inspirierten 1968 Mit-

glieder des GHCC (Geisaer Hinkelshagener

Carneval Club e.V.) ein Lied dazu zu schrei-

ben: „Mein Geis am Rain, du bist so wunder-

schön...“ lautet der Refrain und darf bis heu-

te auf keiner Karnevalsveranstaltung fehlen.

Die Geisa entspringt am Rößberghang und

fließt durch Spahl und Geismar bis nach Gei-

sa. Nach 11,1 Kilometern mündet sie in die

Ulster. In Geisa zweigt der Mühlgraben von

der Geisa ab.

Mit Blick in östlicher Richtung sieht man

rechts die Reste der Stadtmauer mit dem

Pulverturm und links vom Kleinen Geisrain

ein großes Gebäude. Das ist das Athanasi-

us-Kircher-Haus, die frühere Bischöfliche

Lateinschule.Sie existierte in Geisa von 1884

bis 1947 und wurde von Frühmesser Aloys

Hagemann gegründet. Das Gebäude erwarb

er privat und übertrug 1904 das Eigentums-

recht an den „Bischöflichen Stuhl“ Fulda.

Die Schule diente als humanistisches Gym-

nasium. Hier konnten die Schüler die ersten

Jahre der höheren Schule absolvieren. Da-

nach wechselten sie an ein Fuldaer Gymna-

sium, wo sie das Abitur ablegten.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es an

der Schule zwischen 40 und 50 Schüler,die in

fünf Klassen unterrichtet wurden. Auswärti-

ge Schüler wurden in Geisaer Familien un-

tergebracht. Der Plan, die Lateinschule zur

Vollanstalt auszubauen, scheiterte. Es kam

zwar eine sechste Klasse hinzu, die Schule

verlor aber Schüler durch den Ausbau der

Hünfelder Lateinschule und der Gründung

einer Realschule in Dermbach.

1937 wurden in der Schule auch Mädchen

aufgenommen. Das kam durch die Schlie-

ßung der 1924 gegründeten Geisaer Mäd-

chenschule.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte die

Schule durchschnittlich 60 bis 70 Schüler.

Die Nationalsozialisten wollten die Schule

mehrmals schließen. 1944 half nur ein mas-

siver Einspruch der Bischöflichen Behörde,

das zu verhindern.

Mit dem Einmarsch der Amerikaner 1945

wurde die Schule zunächst geschlossen,nach

der ÜbergabeThüringens an die Russen durf-

te der Unterricht wieder begonnen werden.

Latein wurde zugunsten neuerer Sprachen

(Englisch und Russisch) in den Hintergrund

gedrängt. Mit der Neuordnung des thüringi-

schen Schulsystems durch das Ministerium

in Weimar wurde 1947 der Existenz als „Bi-

schöfliche Lateinschule“ ein Ende gesetzt.

Danach war sie kurz Oberschule (bis zur 10.

Klasse). 1949 erfolgte die endgültig Schlie-

ßung.

Das alte Schulgebäude wurde 1979 abge-

rissen. Auf den Grundmauern des Gebäudes

wurde das Athanasius-Kircher-Haus errich-

tet. Seit 2010 gehört es dem Caritasverband

für die Regionen Fulda und Geisa e.V.

Quellen: Stadtführer Geisa; Geisa 1175 Jahre

Luftaufnahme aus südwestlicher Richtung

Quelle: Heimat- und Geschichtsverein Geisaer Amt e.V.

Bischöfliche Lateinschule

Foto: Franz Marschall, 1925 | Quelle: Sammlung Mathilde Hahn